„Wir schlagen sie fast tot. Ich denke, alles läuft sehr gut.“
Ein Zitat aus einer aktuellen Erklärung von Donald Trump zum Iran (vgl. DrushbaFM am 02.03.26). Angesichts dessen, dass die Völker v.a. des Iran und überhaupt im Nahen und Mittleren Ostens durch die scheinbar entgrenzte Aggressivität der USA und Israels ein über Generationen unheilbares Trauma davon tragen werden, scheinen nüchterne analytische Überlegungen derzeit noch fast fehl am Platz. Gleichwohl müssen ja trotzdem Möglichkeiten ermittelt werden, wie diesen Teufeln wirksam begegnet werden kann. Denn die Gefahr weiterer Eskalation hin zu einem Weltkrieg ist jetzt riesengroß.
Es mag stimmen, wie Lorenzo Maria Pacini die Lage in einem Kommentar bei LinkeZeitung (vgl. hier) einschätzt:
„Operation Epische Wut ist der endgültige Beweis dafür, dass die Welt erst dann Frieden finden wird, wenn die USA und Israel von der Landkarte verschwunden sind! Und schon wieder geht es los…“
Aber, eine nüchterne Analyse ist ja schon jetzt dringend vonnöten. Das ist u.a. daran zu erkennen, dass um Frieden ringende Menschen hierzulande allen Ernstes glauben, ganz und gar unterbelichtet mit „Gegen Trump und die Mullahs!“ auf den Punkt bringen zu können, was Problem und Lösung in dieser Kriegsszenerie ist. Die Bewahrung der nationalen Souveränität des Iran, ob mit oder ohne Mullahs, dies stellt die entscheidende Instanz dar und vor allem darum geht es!
Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, daß die USA und Israel zwar den Iran bombardieren, aber China und Russland meinen. So heißt es jedenfalls in einem Beitrag von Andrew Korybko bei den österreichischen Kollegen von TKP.at (vgl. hier). Wir bringen den Beitrag hier auszugsweise. Andrew Korybko formuliert:
Mit dem Angriff auf den Iran wollen die USA die (indirekte) Kontrolle über gewaltige Öl- und Gasreserven erlangen, um diese als Druckmittel gegen China einzusetzen. Damit soll Peking nicht nur zu einem einseitigen Abkommen gezwungen werden, sondern sein Aufstieg zur Supermacht gestoppt werden.
Trump behauptete, der US-Militäreinsatz gegen Iran diene der „Verteidigung des amerikanischen Volkes“. Viele Kritiker warfen ihm vor – ob im Scherz oder ernst gemeint –, es gehe nur darum, von den Epstein-Akten abzulenken. Die wenigsten Beobachter haben jedoch erkannt, dass es in Wahrheit ausschließlich um China geht. Trump 2.0 hat beschlossen, China schrittweise den Zugang zu Märkten und Ressourcen zu entziehen – idealerweise durch eine Reihe von Handelsabkommen –, um den USA die nötige indirekte Hebelwirkung zu verschaffen, mit der sich Chinas Aufstieg zur Supermacht friedlich stoppen lässt.
Zur Verdeutlichung: Die US-Handelsabkommen mit der EU und Indien könnten letztlich dazu führen, dass diese Länder China den Marktzugang unter Androhung von Strafzöllen verweigern. Parallel dazu könnten die US-Sonderoperation in Venezuela, der Druck auf Iran sowie die gleichzeitigen Versuche, Nigeria und andere wichtige Energieproduzenten unter Kontrolle zu bringen, China den Zugang zu den Ressourcen abschneiden, die es für seinen Aufstieg zur Supermacht braucht.“ Genau diese Ressourcendimension spielt bei Iran eine zentrale Rolle in der US-„Strategie“.
Diese Strategie stammt vom Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik Elbridge Colby und wurde in einer Analyse Anfang Januar ausführlich dargelegt. Dort hieß es: „Der US-Einfluss auf Venezuelas – und möglicherweise bald Irans und Nigerias – Energieexporte sowie auf die Handelsbeziehungen mit China könnte durch Drohungen mit Lieferkürzungen oder -stopps parallel zum Druck auf die Golf-Verbündeten als Waffe eingesetzt werden.“ Ziel ist es, China durch ein einseitiges Handelsabkommen auf Dauer in die Rolle eines Juniorpartners der USA zu drängen.
Die meisten Beobachter haben es übersehen, doch die neue Nationale Sicherheitsstrategie fordert letztlich, „Chinas Wirtschaft auf den privaten Verbrauch umzusteuern“. Das ist lediglich ein beschönigender Ausdruck für eine radikale Umgestaltung der Weltwirtschaft: China soll der Zugang zu den Märkten und Ressourcen genommen werden, die seinen Aufstieg überhaupt erst möglich gemacht haben. Es soll nicht länger „die Fabrik der Welt“ bleiben und damit seine Zeit als einziger systemischer Rivale der USA beenden. Die US-geführte Unipolarität wäre dann wiederhergestellt.
Zurück zu Iran: Das Land stellte laut im vergangenen Jahr etwa 13,4 % der gesamten 10,27 Millionen Barrel Öl pro Tag, die China auf dem Seeweg importierte. Deshalb will Washington diesen Ölfluss kontrollieren, drosseln oder komplett abstellen. „Plan A“ war, dies auf diplomatischem Weg zu erreichen – nach dem Vorbild Venezuelas nach Maduros Festnahme. Iran hat kurz mitgespielt, sich dann aber nicht darauf eingelassen, weil es einer strategischen Kapitulation gleichgekommen wäre. Deshalb hat Trump nun militärisch gehandelt.
In seinem Video, mit dem er den Militäreinsatz ankündigte, versprach Trump der Revolutionsgarde (IRGC) Immunität, falls sie die Waffen niederlegt. Das untermauert die These, dass die USA das venezolanische Modell wiederholen wollen: Er rechnet offenbar damit, dass eine neu pro-amerikanisch ausgerichtete IRGC das Land in der Übergangsphase bis zu Neuwahlen führt – genau wie die ebenfalls neu pro-amerikanisch ausgerichteten Sicherheitskräfte Venezuelas ihr Land derzeit interimistisch lenken.
Ein solches Szenario würde eine mögliche „Balkanisierung“ Irans verhindern und den Staat intakt halten. Iran könnte dann seine frühere Rolle als einer der wichtigsten regionalen Verbündeten der USA wieder einnehmen und damit auch die aserbaidschanisch-türkische Achse dabei unterstützen, westlichen Einfluss entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands auszubauen. Gleichzeitig würde Washington durch die indirekte Kontrolle über Irans Öl- und Gasindustrie eine beispiellose Ressourcenhebelwirkung gegenüber China erhalten und Russland weiter einkreisen – ein schwerer Schlag für die multipolare Weltordnung (…)


