Robuste russische Reaktion auf deutsche Kommandostrukturen, Raketen- u. Drohnenproduktion?

Wer sich aus Hannover in Richtung Lüneburger Heide bewegt, erreicht in ca. 80 km Entfernung die Gemeinde Unterlüß. Dort befindet sich ein Mega-Areal des Rüstungskonzerns ‚Rheinmetall‘ und es heißt in den Medien, dort werden neben gepanzerten Fahrzeugen auch 155mm-Granaten und Kriegsdrohnen der Marke ‚Langstrecke‘ hergestellt und auf den Weg in die Ukraine oder neuerdings auch ins Baltikum verbracht und praktisch dann gegen Rußland eingesetzt. Dem Unternehmen geht es gut, dessen Auftragsbücher sind offenkundig gut gefüllt, der Personalbedarf ist noch immer immens, die NATO und separat auch die deutsche Wehrmacht gehören zu den Hauptkunden.

Seit einiger Zeit taucht in der russischen Presse neben ‚Rheinmetall‘ eben auch gelegentlich der Name ‚унтерлюсс‘ (Unterlüss) auf. Selbst diejenigen hier bei uns, die sich nur rein selektiv mit dem Ukrainekrieg beschäftigen, wissen spätestens seit den Provokationen gegen russische Handelsschiffe in der Ostsee ab Mitte letzten Jahres, dass da auch militärisch ein neuer Wind aufgekommen ist. Neu ist inzwischen nämlich, dass die Reaktionen von russischer Seite etwas anders arrangiert sind als noch vor einem Jahr. Eine ganze Flotte russischer Kriegsschiffe steht aufgereiht von Leningrad bis zum Skagerak und soll bis in den Ärmelkanal verlängert werden.

Wer Kontakte in die russische Gemeinde in Deutschland pflegt und dort oft auch zu Menschen mit starken familiären Bindungen in die Heimat, wird bemerkt haben, dass unter denen eine deutliche Verärgerung über die eigene, die russische Führung Einzug gehalten hat. Man versteht die mangelnde Efffektivität in der Abwehrarbeit des russischen Militärs nicht, man billigt auch zusehens direkt nicht deren mit zuviel Zurückhaltung versetzte Politik. Es scheint eine Situation entstanden, die daran erinnert, wie die russischen Volksmassen auch im Ausland die Regierung Putin Ende 2021/Anfang 2022 dann in die Spezielle Miliär-Operation (SMO) getrieben hat, und zwar ohne allzuviel Respekt vor dem üblichen Hinhalten seitens der Oligarchen. 

Zwischendurch versetzte dann die eher probeweise, also ohne Gefechtsköpfe, wiewohl heftig wirksame Operation der russischen Militärs mit der ‚Oreschnik‘ im Umfeld der westukrainischen Stadt Lvov vom 09. Januar dieses Jahres die russische Öffentlichkeit in eine eher zufriedene Gemütslage. (Vgl. dazu hier).

Seit jener Zeit aber sind die ukrainischen Drohnenattacken peu a peu in das russische Hinterland vor allem auf Erdöl- und Raffinerielagerstätten eingeschlagen. Dies zwar nicht mit größerem militärischen Erfolg, aber mit dem Effekt einer deutlichen psychologischen Verunsicherung besonders in den grenznahen Bereichen der Oblaste Leningrad, Kursk, Belgorod, Woronesch oder gar Moskaus und selbst auf den Amtssitz von Präsident Putin in Sotschi am Schwarzen Meer.

In einem Beitrag bei NachDenkSeiten (NDS) vom 19.05.26 unter „Moskauer Nächte und Qualität aus Deutschland nahm sich der in Moskau lebende Gerd Ewen Ungar eine Schilderung der aktuellen Stimmungslage der Russen vor und traf dabei den Nagel wohl genau auf den Kopf. Dazu zwei Zitate aus dem Beitrag, dessen gesamte Lektüre lohnt:

„(…) Fakt ist: In Deutschland werden Drohnen mit hoher Reichweite für die Ukraine produziert. Wahrscheinlich ist, dass diese bei den Angriffen auf Moskau und die Moskauer Region zum Einsatz kamen. Sollte sich das bewahrheiten, stellt das eine Eskalation dar. Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, sieht ganz klar eine Verantwortung der EU, da sie den Krieg finanziert. Von Deutschland ist in Zusammenhang mit dem aktuellen Drohnenangriff noch nicht die Rede. Das kann sich allerdings schnell ändern, sollte sich herausstellen, dass die Drohnen tatsächlich aus deutscher Produktion stammen.“

Gerd E. Ungar resümiert dann:

„(…) Die Mehrheit der Deutschen ist sicher gegen den Krieg, und dennoch zieht er klar erkennbar herauf. Die deutsche Gesellschaft ist an dem zur Wiedervereinigung gegebenen Versprechen, dass von Deutschland nur noch Frieden ausgeht, komplett gescheitert. Die Eskalation hin zu einem Krieg zwischen Deutschland und Russland nimmt Fahrt auf. Wie man den Krieg in der Ukraine unbedingt wollte, so will man auch den zwischen Deutschland und Russland unbedingt – zumindest diejenigen, die meinen, sie seien vor den Folgen sicher. Dieses Gefühl der Sicherheit muss bekämpft werden, um die Entwicklung hin zum Krieg zu stoppen, sind sich immer mehr Menschen in Russland sicher.

Soweit Gerd E. Ungar. Gerade jenen Gedanke im letzten Satz sollte man sich ein zweites Mal vor Augen führen. Wir hatten schon hier zu Zeiten als es noch nur um die Frage ging, wird Taurus geliefert oder nicht, darauf hingewiesen, was der Kriegseintritt Deutschlands und der EU gegen Russland sofort bedeuten würde, vgl. unter „Nicht der große Knall – eher langsames großformatiges Dahinsiechen“ .

Im Grunde ist Ungars Resümee ja nichts anderes als eine nüchterne Schilderung der russischen militärischen Konsequenz nach der fortgeschrittenen westeuropäischen Eskalation. Seltsam aber dann die Reaktion des altvorderen NDS-Autoren J. Berger. Direkt am nächsten Tag, als einige Leser seines eher pazifistisch orientierten online-Magazins sich in Kommentaren zu Ungars Beitrag besorgt gezeigt haben sollen, behauptete dieser in einer kurzen Replik, die Leser hätten auf Ungars Hinweise besorgt reagiert und das sei wohl so nicht beabsichtigt gewesen …

Wenn aber andererseits die liberalen Autoren der NachDenkSeiten so etwas wie die nüchterne Bilanz von Ungar eher nicht wahrhaben wollen, wie sollen denn Ignoranz und Verdrängung unter einem breiteren Publikum zugunsten eines informierten Bewußtseins nachhaltig in den Hintergrund treten? Wenn die ‚Oreschnik‘ dann in ‚унтерлюсс‘ (Unterlüss) herunterschlägt ist es ja ganz gewiss zu spät.

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