AfD bleibt dynamisch – BSW quält sich anhaltend link(sist)isch
Chapeau, Berd Schoepe! Ein ausgezeichneter Beitrag zum problematischen Verhältnis dieser beiden aktuell wichtigsten bundesdeutschen oppositionellen Strömungen. Zuerst intern in der Hamburger BSW-Presse veröffentlicht, dann auf LinkeZeitung, breitet Schoepe ein ganzes Ensemble gut durchdachter und operabler Thesen zum Verhältnis dieser beiden Strömungen aus.
Auch wir als kleinere website spüren natürlich die politische Blockadewirkung entwickelter Sprachbarrieren zwischen den beiden. Wir erfahren bei Linken generell und bei BSW-Mitglidern im Besonderen eine stark von Unkenntnis geprägte und vorurteilsgetriebene Abneigung gegen die AfD, die sich unterm Strich dann immer mehr nur noch in Ratlodigkeit und bloßer Apathie äußert, ja geradezu als eine Angst vor der Meinung der Wahlbürger! Wir erfahren andererseits von Leuten, die wir z.B. als ehemals gewerkschaftsnahe Nachbarn von ‚um die Ecke‘ kennen, einen Haufen stabiler Hoffnung auf die AfD und auch stabile Furcht von kriegerischen Zeiten und solchen sozialer Depression.
Schoepe, selbst BSW-Mitglied, kommt also gerade recht, um zur ‚Aufklärung‘ beizutragen. Sein umfangreicher Beitrag zusammen mit der Austrittserklärung von Zaklin Nastic, einer ehemaligen Vorstandsfrau aus dem BSW, tragen viel zum Verständnis des Krise dieses Bündnisses bei. aber eben auch zu der bisher soliden Entwicklung der AfD.
Wir bringen einen längeren Auszug aus dem Beitrag, im wesentlichen die erste These, so wie in LinkeZeitung veröffentlicht, und hoffen damit, das Interesse am gesamten mit viel Quellenmaterial versehenen Beitrag zu wecken, vgl. hier.
Das BSW am Scheideweg des Interregnums (Auszug)
„(…) 1. Klarheit und grundsätzliche Offenheit gegenüber der AfD statt Uneindeutigkeit und stereotyper Kritik
Die Frage: „Wie halten wir es mit der AfD?“ ist beim BSW keine beliebte Frage, eher eine, um die man sich entweder lieber herumdrückt oder auf die man mit Stereotypen antwortet, die denen der Altparteien nicht unähnlich sind. Sie wird aber angesichts der Wahlumfragen und Wahlergebnisse und des sich fortsetzenden Vertrauensschwunds der Altparteien (1) zur entscheidenden Frage über Erfolg oder Misserfolg des BSW. Die Uneindeutigkeit in der Parteispitze und bei der Basis sollte man nicht kurzschlüssig auch den Wählern bzw. den (Noch-)Nicht-Wählern unterstellen. Obwohl das BSW die erfolgreichste Parteineugründung in der Geschichte der Bundesrepublik war (aus dem Stand wurde es nach nur fünfmonatigem Bestehen mit 6,2% ins Europaparlament gewählt) dürfte dieses Herumeiern in der aktuellen Schwächephase kaum dazu führen, seine Attraktivität zu erhöhen. Das zeigen die derzeitigen Umfragen, bei denen die Partei zwischen drei und vier Prozent herumdümpelt. Statt sich deshalb zu mehr Klarheit und Offenheit zu bekennen, gibt es zu der Frage weiter widersprüchliche Signale aus dem Berliner Bundesvorstand und den Landesverbänden. Als BSW-Wähler dürfte man angesichts der schlimmen Situation, in die die letzten Regierungen das Land immer tiefer hineingeritten haben, doch interessiert sein, mit seiner Stimmabgabe dafür zu sorgen, dass endlich etwas daran geändert wird. Und für das BSW scheint klar zu sein: ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Aber handelt die Partei auch wirklich danach? Wie ist der Gebrauchswert einer Wählerstimme für das BSW einzuschätzen, wenn es von vorneherein sagt: Keine Koalitionen mit der mit Abstand größten und weiterhin auf undemokratische und grundgesetzwidrige Weise ausgegrenzten Oppositionspartei (2)? Je länger das BSW der Frage ausweicht, was es den Wählern für ihre Stimme anbieten kann, desto schwieriger wird es, irgendwann überhaupt noch etwas Substanzielles in den Ring werfen zu können, um sein Versprechen, die Politik zugunsten der arbeitenden Menschen in Deutschland deutlich zu verbessern, glaubwürdig zu erfüllen und dafür gewählt zu werden.(…)“

