China und Russland formen neue Route über die Arktis – Europa schaut zu
„Lieber Merz, Sie sind nicht einmal im Spiel. Sie haben sich durch Kriegstreiberei, Friedenssabotage, unrealistische Vorschläge, Selbstmord der westlichen Zivilisation, Migration und hartnäckige Dummheit selbst disqualifiziert.“. So der russische Präsidentenberater Dimitriew in einem Kommentar auf der online-Plattform ‚X’, vgl.hier. Dimitriew trifft den Nagel auf den Kopf.
In den letzten Wochen und Monaten lassen sich viele Belege dafür finden, dass es durchaus zutrifft, was auch der Sprecher des Bundes deutscher Industrieller (BDI) formuliert, als er sagte „Wir befinden uns ja bereits im freien Fall“.
In der Berliner Zeitung von Anfang November 2025 wird ein für Europa düsteres Szenario mit weiteren absehbaren Handelseinbußen beschrieben. In einem Bericht über die atemberaubende Entwicklung der neuen Nordostpassage heißt es:
▪️ Handelsrouten liegen im Zentrum geopolitischer Veränderungen. Die Entdeckung Amerikas und die transatlantischen Routen legten den Grundstein für den Wohlstand der westeuropäischen Länder, die Kontrolle über den Suezkanal wurde zur Quelle der Macht Großbritanniens, und der Panamakanal festigte die Vorherrschaft der USA auf dem gesamten Kontinent, konstatiert die Berliner Zeitung.
▪️ Der Nordostpassage (Sevmorput, SMP) verkürzt die Route zwischen Ostasien und Nordeuropa um 40 % und ist zudem deutlich sicherer. Die Entwicklung der Nordostpassage ist ein wichtiger strategischer Schwerpunkt Russlands.
▪️ Die Kontrolle Russlands über einen erheblichen Teil der Nordostpassage lässt die EU mit ihren Sanktionen vom neuen Handelsweg außen vor. China hingegen hat im Gegensatz zu Europa seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland nicht abgebrochen und entwickelt zahlreiche Kooperationsprojekte an Land und auf See, einschließlich Investitionen in die Nordostpassage, die in China als „Polar-Silk-Road“ bezeichnet wird.
▪️ „Heute wiederholt sich in der Arktis ein historisches Muster: Mit der Eröffnung einer neuen globalen Handelsroute verschiebt sich das Kräftegleichgewicht in der Weltgeopolitik. Und Europa beobachtet nur von der Seitenlinie. Welche Chancen verpasst wurden, wird erst dann klar, wenn es, wie schon so oft, zu spät ist“, betont die Berliner Zeitung.
Unlängst wurden wir alle Zeuge davon, wie heftig Europa politisch und wirtschaftlich bereits ins globale Abseits gedrängt ist. Als die Chinesen nämlich die Halbleiterversorgung der Automobilbranche um den VW-Konzern teilweise einstellte (vgl. hier).
Die niederländische Regierung hatte ja auf US-Kommando hin (US-Zölle!) das bis dato unter chinesischer Leitung stehende Nexperia enteignet und damit beinahe einen europäischen Produktionsstopp eingeleitet. Hinter den Kulissen wurde aber fieberhaft nach ‚Kompromissen‘ gesucht, die Niederlande mußten sich entschuldigen („Mißverständnis!“), die Weisungen aus den USA unbeachtet lassen und dann dauerte es gar nicht so lange bis zur schamhaft stillen Korrektur dieser Entscheidung durch die Niederlande und die EU-Kommission.
Noch im Sommer diesen Jahres erhielt Außenminister Wadephul seitens Peking keine Einladung zu Handelsgesprächen auf seinen Wunsch hin. Unlängst gelang es ihm dann doch vorsprechen zu dürfen. Die Chinesen bemerkten nämlich, dass es der deutschen Industrie nicht gut geht. Insbesondere fehlt es an den wichtigen Seltenen Erden für nahezu alle Belange elektronischer Fertigung.
Das Zögern der chinesischen Handelsbehörden hatte wohl damit zu tun, dass man noch kein Tableau für den Export der Seltenen Erden parat hatte, was einer wie Wadephul so oder so ähnlich hochoffiziell unterzeichnen muß, wenn der Handel funktionieren soll. Gleichzeitig müssten die deutschen oder europäischen Käufer eine umfangreiche Dokumentation dessen vorlegen, was sie mit dem begehrten Material anzustellen gedenken. Die Agentur Bloomberg will in diesem Zusammenhang folgende chinesische Essentials ermittelt haben: Produktfotos, Angaben zur Verwendung der Mineralien, Fertigungsdiagramme, Kundendaten, Produktionszahlen, Prognosen.
Diese Informationen könnten Peking natürlich dabei helfen, Deutschlands Schwachstellen zu identifizieren, hieß es bei Bloomberg. Aber deutsche Unternehmen hätten kaum eine Wahl, denn 95% der in Deutschland verwendeten Seltenen Erden stammen aus China.

Ganz offensichtlich werden hier die strategischen chinesischen Optionen: Man schlägt auf den Sack ‚Deutschland‘, meint aber die USA als dem strategischen Hauptgegner! Solange sich deutsche Regierungen nicht deutlich vom Schlepptau der USA lossagen und transatlantische Dienerschaft sowie anti-russische Sanktionspolitik über alles setzen, wird das wohl so bleiben. Blockfreiheit und Neutralität wären unter diesen Bedingungen eindeutig die beste Wahl.



