Linker Sinneswandel in Erwartung des europäischen Krieges?

Die meisten Landsleute erwarten gerade nicht, wovon im Beitragstitel die Rede ist. Ein europäischer Krieg? Eher nicht. Erst recht nicht zeitnah. Die glauben ernsthaft, sie haben ihre Steuern und Versicherungsprämien pünktlich gezahlt und es kann ihnen eigentlich auch nichts passieren.

Und sie glauben auch ernsthaft, bei der Großwetterlage in Europa gar nicht gemeint zu sein, wenn von ‚Kriegsgefahr‘ die Rede ist. Man leistet sich eben eingeschränkte Wahrnehmung und reagiert ungehalten, wenn einem die eigene Agonie auch noch angekreidet wird. Und sowieso, in der Hauptsache will man irgendwie demonstrativ gegen alle mögliche Unsicherheit doch noch gute Laune pflegen, pflichtgemäß und pünktlich den Yoga-Kurs besuchen und nicht immer gleich an das Schlimmste denken …

Ich wage die Behauptung, zum Ende der 1930er Jahre hin war die Stimmung vergleichbar – ohne Yoga-Kurs, versteht sich. Zu Beginn dieses schrecklichen Krieges fühlte man sich noch mächtig stark – Männer wie Frauen – und „Jeder Schuss` ein Russ`!“ war häufiger zu hören, wie die Historiker berichten. Und Leute, die seinerzeit öffentlich vor diesem Krieg gewarnt hatten, („Hitler bedeutet Krieg!“) bekamen damals gewaltige Probleme mit der Staatsgewalt.

Merz/Klingbeil spielen ihre Rolle: Furchtlos auf dem Weg immer schärferer politischer und militärischer Eskalation

Heute vergeht kein Tag, an dem Kanzler Merz, sein Adlatus Klingbeil und EU-Chefin v.d. Leyen ganz im Sinne der NATO nicht irgendeine Provokation gegen die Russ. Föderation verantworten. Die Zerstörung der Nordstream Erdgas-Leitungen in 2022 u.a. mit ukrainischem Personal wurde und wird gefolgt von einem immer aggressiveren Vorgehen gegen russische Schiffe in der Ostsee, dem Skagerrak, dem Kanal. Die speziell in Litauen an der russ. Westgrenze stationierten Wehrmachtsverbände sowie militärische IT-Kräfte und Ingenieure, zuständig für Transport und Steuerung der Mittelstrecken-Drohnen bzw. Raketen und stationiert z.B. im NATO-Hauptquartier in Wiesbaden, sind direkt in kriegerisches Geschehen in der Ukraine und inzwischen im europäischen Russland verwickelt. Und natürlich: die Haushaltspolitik der Bundesregierung vergibt ständig Milliarden von Euro für das Aufrechterhalten des Ukro-Nazi-Regimes in Kiew in Gestalt von Waffenlieferungen und heftigen Korruptionszahlungen an dortige Adressen.

Merz kann und will aus diesem Ukro-Abenteuer auch nicht wieder heraus. Diese ‚Investitionen‘ müssen sich schließlich auch im gewünschten Ziel der strategischen Ausschaltung Russlands bezahlt machen. Die Politelite nimmt für diese Zwecke ja seit Jahren mehrere heftige und immer kostspieligere Anleihen beim Sozialhaushalt auf, der Rest wird als Staatsschuld verbucht und fällt dann unangenehm auf, wenn die Aufwände samt Zinsen nicht mehr zurückbezahlt werden. Dann aber ist mindestens die Ukraine ja längst vollends zerstört und von den jetzt noch etwas mehr als 20 Millionen Ukrainern wird dann ein erklecklicher Teil hier angeklopft haben. Die drei letzten Bundesregierungen wollten das NATO-Engagement dort, sie haben die Führung in der Vernichtung der Ukraine den USA abgekauft und einige europäische Staaten werden den eigenen Staatsbankrott als Zugabe erhalten.

Die russische Antwort auf Westeuropa verweist zwar auch auf nukleare Abwehrmaßnahmen, aber schon in allernächster Zeit werden hier wohl schmerzhafte Einschläge anderer Art stattfinden …

Nun ist ja in Deutschland das Zugänglichmachen von Beiträgen solcher Informationskanäle wie RTDE bei Strafe verboten. Wer aber trotzdem in der Lage ist, die öffentlichen Diskurse in Russland zu verfolgen, wird feststellen, dass die Frage, wie den Provokationen speziell der Westeuropäer einschließlich von deren direkter Kriegsbeteiligung militärisch zu begegnen ist, dort gar nicht mehr offen ist. Die russischen Menschen haben ganz offenbar die Faxen dicke und so werden die Forderungen nach schärferen militärischen Antworten auf die westeuropäischen Avancen immer lauter.

Präsident Putin und Außenminister Lawrow betonen wöchentlich: Sollte der Bestand Russlands militärisch gefährdet werden, wird zur Abwehr eine nukleare Verteidigung eingeleitet werden. Aber es heißt von dort auch: Sollte irgendeine westliche Regierung mit Lang- oder Mittelstreckendrohnen und/oder mit ballistischen Raketen gegen Russland operieren, wird im Kreml dies als höchster Verteidigungsfall mit der beschriebenen Konsequenz behandelt werden. Den genauen Zeitpunkt für solche Aktivität setzt dann freilich allein die Russ. Föderation – vielleicht noch in Absprache mit ihren Verbündeten in Peking.

Das spezielle Elend der Linksliberalen: Zeter und Mordio wegenVerschweigen der Kriegsgefahr‘

Einige Linksliberale aus den NachDenkSeiten oder Overton gehören gewissermaßen als Anhängsel der Politelite der Kriegsparteien zu den fanatisch orientierten Propagandisten der törichten Behauptung, eigentlich habe Russland den Krieg in der Ukraine mit einem Offensivschlag in 2022 losgetreten. Die durch das Kiewer-Regime seit 2014 gequälten und getöteten tausende von ethnischen Russen vor allem aus den Donbass-Regionen berichten ganz anders: Diese Gemeinschaften ethnisch russischer Menschen hatten gar keine andere Chance, als sich gegen die Kiewer Macht aufzulehnen und verlangten von Präsident Putin, die Russische Föderation möge die Rolle als Schutzmacht annehmen – sofort und aktiv. (Vgl. dazu den sehr interessanten Beitrag von Sabiene Jahn beim online-Magazin Globalbridge‘ unter „Die verbotene Vorgeschichte“  sozusagen als historische Rückschau).

Auch die Linksliberalen hier im Land neigen inzwischen dazu, sich ‚die Höhe der Zeit‘ etwas genauer anzusehen. Und so sind jetzt von ihnen (Szene-Sprech: „Menschewiken“) plötzlich etwas andere Töne zu vernehmen. Einerseits bemerken sie, dass ihr Urteil vom ‚russ. Angriffskrieg‘ inzwischen ziemlich abgenutzt daherkommt und in seiner Falschheit leicht als als bloße Propaganda des Westens zu erkennen ist. Wollte sich z.B. Frau Wagenknecht noch vor zwei Jahren mit ihrer Darlegung, Putin sei ein Verbrecher, u.a. noch einige erträgliche Einladungen für ihre Auftritte bei liberalen Talkrunden sichern, glaubte sie es im Nachhinein noch nicht einmal für nötig zu halten, diese Welle weiter zu reiten und ihre Sicht der Dinge inklusive ihrer Putin-Äußerung einmal zu begründen. Es scheint, als hätte das Ensemble der aktuellen Zeitumstände solche lebensfremden Denkfiguren ziemlich entwertet.

Einer dieser noch dazu strikt pazifistisch orientierten Linksliberalen ist Alexander Neu. Der eröffnet seine Beiträge immer noch mit dem abgedroschenen Dauerhit zum Thema ‚russ. Angriffskrieg‘, schreibt aber bei den NachDenkSeiten unter Das Schweigen um die reale Kriegsgefahr in Europa“ dann doch noch ein paar vernünftige Dinge:

Die drückende Frage lautet: Wie lang ist die russische Führung angesichts des wachsenden Drucks der sicherheitspolitischen Community in Russland, aber vor allem auch der russischen Gesellschaft noch bereit, diese Gegenangriffe hinzunehmen? Und warum diskutiert die deutsche Öffentlichkeit diese Gefahren nicht hinreichend?(…)

Im Westen schwadronieren einige „Experten“ (…) von einer Wende im Krieg – die Ukraine könne den Krieg doch noch gewinnen. Dabei verschweigen diese „Experten“, dass die Angriffe auf die Energieinfrastruktur zwar ökonomisch schmerzhaft für Russland sind, jedoch keine strategische Wende des Krieges herbeiführen werden, da die russische Armee auf dem unmittelbaren Schlachtfeld stetig vorrückt und auch wichtige strategische Gewinne macht. Auf der einen Seiten rücken die russischen Streitkräfte faktisch weiter vor, auf der anderen Seite erklären uns die Mainstreammedien, Teile der politischen Klasse und Talkshow-„Experten“, Russland werde schwächer, Russlands Niederlage komme näher etc.

Was erklärt die gravierende Lücke oder gar den Widerspruch zwischen den Realitäten auf dem Schlachtfeld und den westlichen Narrativen? Es mag bei einigen Journalisten und in Teilen der politischen Klasse einfach die Unkenntnis oder ein Wunschdenken sein. Andere hingegen konstruieren dieses Narrativ der Öffentlichkeit gegenüber, da nur so die Fortsetzung der milliardenschweren Finanzierung der Ukraine, des Engagements des Westens für die Ukraine und die massiven Aufrüstungsprojekte der Streitkräfte der NATO- und EU-Staaten dem heimischen Michel verkauft werden können. Es geht darum, die gesellschaftliche Duldung des eingeschlagenen Weges aufrechtzuerhalten: Wenn nun die Ukraine nach langem Kampf den Krieg doch noch für sich entscheiden könnte, darf die Unterstützung für sie nicht nachlassen, so die dahinterstehende Botschaft, während in anderen Politikbereichen der Rotstift angesetzt wird.

Nur irgendwann ist die Lücke zwischen der Realität und dem kontrafaktischen Narrativ nicht mehr zu überdecken.

Uff, etwa ein Sinneswandel im linksliberalen Narrativ? Aber sind denn die paar klaren Aussagen in Hinsicht auf die sehr realitätstüchtigen Konsequnzen der russischen Seite auf das NATO-Engagement in der Urkraine nicht etwas, daß man als aufgeklärter Liberaler schon 2022, zu Beginn der ‚Speziellen Militäropereation‘ nämlich, erwarten konnte? Der eigene abgedroschene Hit unter dem Titel ‚Russischer Angriffskrieg‘ war offenbar so wirksam wie eine Ladung Koks, so daß man gar nicht mehr hinsehen wollte, was in da im Osten Europas alles so passierte. 

Gut wäre eigentlich auch noch ein Hinweis darauf, dass bei den hiesigen Medien außer der üblichen Hetze ganz generell nichts Authentisches mehr aus Russland zu erfahren ist. Gut wäre doch eigentlich auch, wenn aus dieser linksliberalen Ecke endlich eingeräumt würde, dass dem Begehren des Westens nicht nachgegeben werden kann, weil die nackte Gewalt gegen die ethnischen russischen Menschen seit 2014 eben nicht unter den Tisch gekehrt werden kann. Und es wäre auch gut, wenn aus dieser Ecke vor allem der NATO-Krieg gegen Russland endlich nachhaltig, ausdrücklich und umfassend kritisiert würde und die eigene kritische Haltung nicht vor allem darin bestünde, sehr blumig darzulegen, daß es im Krieg nie um Gerechtigkeit gehe. Die liberalen Autoren könnten doch freimütig einräumen, dass es früher der Anti-Hitler-Koalition auch nicht anders gelang, die Nazi-Wehrmacht zu bändigen, als durch militärische Gewalt. Nur so nämlich geht es heute mit Russlands Engagement gegen die NATO in der Ukraine.

Vielleicht ist aber die Feststellung von „Sinneswandel“ ohnehin zu früh. Erwartet werden muß eher ein neuer Narrativ von dieser Seite etwa in der Art: Nicht mehr russ. Angriffskrieg‘ sondern wohl eher neue Greuel in Gestalt einer anstehenden übermächtigen russischen Angriffswelle und dies eventuell mit scharfen Attacken gegen Einrichtungen in Westeuropa, möglicherweise sogar direkt vor unserer Haustür! Und mit Millionen von Flüchtlingen von dort …

So ähnlich haben US-amerikanische Linksliberale nach der gescheiterten Ardennen-Offensive der Nazi-Wehrmacht argumentiert und meinten, die Anti-Hitler-Koalition müsse jetzt ihren Vormarsch drosseln, um das Leben der deutschen Zivilisten zu schützen. Wohlgemerkt: Die Konzentrationslager waren noch im Betrieb!

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