Will der Freidenker-Verband sein Jammertal verlassen?
Die gesellschaftliche Linke fühlt sich als ziemlich auf den Hund gekommen, das spüren viele auch unter unseren Lesern. Frustration und Resignation schwingen daraus und verbreiten eine Unlust, sich derzeit überhaupt mit gesellschaftlichen Fragen zu beschäftigen. Die Hoffnung vieler, aus dem vom BSW angesprochenen Klientel eine Art linke Alternative aufzubauen, kann inzwischen erst einmal getrost als gescheitert betrachtet werden. Eine Gruppierung dieses Klientels war der Deutsche Freidenker-Verband (DFV). Es scheint nun, als deuteten diese Gläubiger an, von ihrer einstigen Einstellung abrücken zu wollen.
In einem Beitrag auf der website des DFV äußerte dessen ehemaliger Vorsitzender Klaus Hartmann unter „Ein Bild des Jammers“ (vgl. hier) , eine vorsichtige aber immerhin doch Kritik an einer Vertreterin des BSW. Es lohnt sich, diesen Beitrag von Hartmann nachzulesen, der sich vor allem an der Talk-Show-Teilnahme der Co-Vorsitzenden des BSW, Amira Mohamed Ali, bei Maischberger in der ARD abarbeitete. Daß der vergleichsweise eher zweitrangige Anlaß von Hartmann genutzt wird, um mit einer scharfen und bis ins Kleinste reichende Kritik an den Aussagen von Mohamed Ali aufzuwarten, dürfte darauf hinweisen, dass zumindest Hartmann mit dem Unterstützerkurs seines Verbandes für das BSW nicht (mehr) so ganz einverstanden ist.
Kein Wunder, denn der Vorstand dieses BSW – gerade unter Einschluß der genannten Co-Vorsitzenden – sucht seit 2024 immer nur den Schulterschluß mit sozialdemokratischen, irgendwie linken oder grünen Richtungen, also dem allgemeinen Linksertum. Bei den Wahlen und Wahlkämpfen seit 2024 stellte sich immer ein BSW vor, das alles mögliche abbildete: Brandmauer gegen die AfD und dagegen, den Unsinn von ‚Klimaschutz‘ und dagegen, Schutz der Immigration und gegen Remigration, Schutz der Ukraine gegen pro-russische Solidarität, Schutz Israels und der ‚zivilisierten‘ Welt und gegen den Iran und für einen ungebremsten Globalismus usf.
Das BSW als Gesamtpartei förderte dann geradezu, dass auf dieser seltsam amorphen Grundlage dann die woken und sich selbst oberschlau dünkenden Herrschaften von CDU/CSU, der SPD, den Grünen und den Linken unterstützt durch die Propagandashows der öffentlich-rechtlichen Medien erfolgreich einen ideologischen Siegeszug hinlegten – inklusive stark russophober Tendenzen. Teile des BSW, z.B. in Thüringen, Brandenburg und Sachsen, beteiligten sich sogar an diesem regierungsoffiziellen russophoben Dreck und schwenkten ganz auf irgendwie altlinke Politik ein.
Die diversen Landtagswahlen seitdem brachten dann dem BSW nur Niederlagen, bis auf die Ausnahme in Sachsen-Anhalt. Im Westen sowieso, aber im Osten auch dann, wenn es dem BSW zunächst gelang, die 5%-Hürde zu überwinden, die Partei dann aber hinterher regional auseinanderplatzte.
Dagegen hat sich die AfD regelmäßig, trotz heftiger Repression und Verbotsdrohungen sehr erfolgreich profiliert, an ihren programmatischen Essentials gearbeitet, ihren aktiven Kader stabilisiert bzw. erweitert und bildet heute in Deutschland die radikaldemokratische Bürgerrechtspartei mit glaubhafter Akzentuierung für einen sozialen-Patriotismus.
Das gilt selbst, obwohl klar ist, dass es in der AfD noch immer einen pro-NATO-Flügel gibt und auch eine kritikwürdige AfD-Beschlußlage etwa zum Thema ‚Wehrpflicht‘ – beide aber im Laufe der Jahre erfreulicherweise Gegenstand zunehmender parteiinterner Kritik.
An diesem Resultat der Stärkung der AfD im öffentlichen Raum hat der Vorstand des DFV einen wohl unfreiwilligen Anteil und muß jetzt sehen, wo er den Verband unter veränderten politischen Bedingungen seinen Platz als Weltanschauungsgemeinschaft hinzuführen bereit ist. Mit einer ganzen Gruppe von ehemaligen oder dort noch aktiven DKP-Mitgliedern auch auf Vorstandsebene wird das sehr schwierig. Viele von denen haben ja offenbar noch gar nicht kapiert, dass die Attribute ‚links‘ und ‚rechts‘ so wie anno dunnemals gar nicht operabel sind (vgl. hier). Sie haben vor allem nicht kapiert, daß sich, ganz unpolitologisch, weite Teile der Arbeiterklasse für eine Unterstützung der AfD entschieden haben. Das sollte der DFV-Votstand endlich zur Kenntnis nehmen.
Es ist klar, dass es für den Freidenker-Verband mit den alten törichten Brandmauer-Sprüchen oder der entsprechenden Praxis gegen die AfD nicht weitergehen kann. Von dort sollten eher Schritte unternommen werden, in einen Dialog mit der AfD zu gelangen – gegen alle zeitverlorenen Antifanten auch in den Reihen des DFV.
Der Autor war bis April 2025 Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen des DFV und Herausgeber von dessen website. Seine Rücktrittserklärung kann hier nachgelesen werden.
